Begünstigen neue Auswahlkriterien Akademikerkinder?

Begünstigen neue Auswahlkriterien Akademikerkinder?

Wir nehmen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hamburg vom 06.11.2020, Aktenzeichen 11 ZE 734/20, zum Anlass, diese Frage in den Raum zu stellen.

Das Verwaltungsgericht führte in dieser Entscheidung aus, dass der Antragsteller (es handelte sich um ein Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes) um die Chancen auf einen Studienplatz auch wirklich wahrnehmen zu können, auch an den maßgeblichen Studieneignungstests teilnehmen muss. Nur wenn auch diese Voraussetzung erfüllt sei, so die Kammer, könne vom Vorliegen eines Anordnungsgrundes (Anordnungsgrund = Nachweis / Beleg dafür, dass Studienplatzbewerber (Antragsteller) dringend auf den Erlass einer einstweiligen Anordnung angewiesen ist) gesprochen werden.

Die Hamburger Rechtsprechung haben wir aufgriffen, weil Hamburg eigene Studieneignungstests eingeführt hat (z.B. HMA-Nat).

Mit Gesetz zur Änderung hochschulrechtlicher Vorschriften zu Studieneignungstests und deren Finanzierung vom 18.12.2020 hat die Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg beschlossen, dass die Hochschulen für besondere Leistungen im Rahmen der Hochschulzulassung Gebühren aufgrund von Satzungen erheben können. Dazu zählen insbesondere Studieneignungstests und Aufnahmeprüfungen. In die Satzungen sollen Härtefallklauseln integriert werden.

Begründet wurde dies im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Dezember 2017. Dies habe die Schaffung von Neuregelungen gefordert und zugleich die Bedeutung von hochschuleigenen Auswahltests hervorgehoben, dabei aber auch die qualitativen Anforderungen an solche Tests nochmals erhöht. Hierdurch (Auswahltest HAM-Nat und entsprechender Test für Zahnmedizin in aktueller Form) entstünden der Hochschule / Universitätsklinikum Eppendorf Mehrkosten im Vergleich zu vorangegangenen Jahren. Diese seien zwar anfangs durch den Senat (Hansestadt Hamburg) übernommen worden, durch das zuvor genannte Gesetz soll nun eine Klarstellung erfolgen.

Am 09.12.2020 veröffentlichte die Welt einen Artikel mit dem Titel „Wer in Hamburg studieren will, zahlt erst mal“ unter https://www.welt.de/regionales/Hamburg/… .

Der Beitrag griff die politische Auseinandersetzung auf, dass der rot-grüne Koalitionsvertrag kostenfreie Bildung vorsieht, die Hamburger Wissenschaftssenatorin Fegebank aber kostenpflichtige Studieneignungstests einführe. Kostenpflichtige Eignungstests für Studierende seien eine „hohe Bildungshürde“. Im Beitrag war von Kosten über 35,00 € bis spürbar unter 100,00 € die Rede.

Zu dieser Problematik bzw. Fragestellung fanden wir am 02.01.2021 einen Artikel unter https://www.derstandard.de/story/2000122888685/… „IHS-Studie: Aufnahmetest für Medizinstudium begünstigt Akademikerkinder“, 2. Jänner 2021.

Der Artikel besagt, dass nach dem Institut für Höhere Studien (IHS, Österreich, Wien) die Uni-Zulassungsbeschränkungen zwar für mehr Prüfungsaktivität, aber auch unerwünschte soziale Nebeneffekte sorgen. Die IHS Studie habe ergeben, es zeige sich zwar, dass bei den im Aufnahmetest erfolgreichen Studenten eine höhere Erfolgsquote mit niedriger Drop-Out-Raten vorläge. Andererseits sinke die Gesamtzahl der Abschlüsse, weil viele potenzielle Absolventen an der Aufnahme scheitern. Daraus ließe sich folgern, das „die oft geäußerte Vermutung, durch Aufnahmeverfahren mit selektivem Test würden jene nicht zugelassen, die ohnehin nicht erfolgreich gewesen wären, nicht bestätigt werden kann.“ Denn die geringere Anzahl an Abschlüssen bei einer geringeren Drop-Out-Rate bedeute, dass auch früher erfolgreiche Studierende heute nicht mehr aufgenommen werden.

Kritisch sehe das IHS vor allem den Rückgang der Studierenden aus nicht-akademischem Elternhäusern in der Medizin und Veterinärmedizin nach Einführung der Zugangsbeschränkungen. In der Medizin sei sowohl die Zahl der Studienanfänger mit Eltern ohne Matura (von rund 30 % bis 35 % vor der Beschränkung auf 20 % bis 25 %) als auch jene der Absolventen mit Eltern ohne Matura (von rund 30 % auf 20 %) gesunken.

Im genannten Artikel heißt es, „Im Bildungsministerium will man daher vor allem in der Medizin und eventuell auch in der Veterinärmedizin „genau hinschauen“.“ Es gebe Effekte, die so nicht intendiert seien.

Uns ist vergleichbare Studie zu den Auswirkungen durch verpflichtende und kostenpflichtige Studieneignungstests in Deutschland nicht bekannt.

Hier noch folgender Hinweis: Aufgrund der Corona-Pandemie können sich die Termine für die Studieneignungstests verschieben oder entfallen.

Schauen Sie im eigenen Interesse regelmäßig nach diesbezüglichen Informationen z.B.:

https://www.auswahltestzentrale.de/