Von hochschulstart.de „verteilungsgeschädigt“ – VG Gelsenkirchen hilft nicht !!

Von hochschulstart.de „verteilungsgeschädigt“ – VG Gelsenkirchen hilft nicht !!

Wir leiten die Besprechung mit einem Satz aus einem Artikel der „Stuttgarter Zeitung“ über die Verhandlung vor dem BVerfG am 04.10.2017 ein:

„Interessiert nahmen die Richter die Erklärungen zur Ortspräferenz entgegen. Sechs Wunschuniversitäten müssen die Bewerber angeben, und dann kann es dazu kommen, was Ulf Bade von der für die Studienplatzvergabe zuständigen Stiftung für Hochschulzulassung als „verteilungsgeschädigt“ bezeichnet. Ein Student hat trotz Spitzenabi sechs Wünsche geäußert, bei denen er nicht sofort zum Zuge kommt, hätte er andere Wunschunis erwählt, dann hätte er den Platz erhalten“.

In dem vom VG Gelsenkirchen entschiedenen Fall ging es um eine „Verteilungsgeschädigte nach Wartezeit“:

Die Bewerberin wurde von hochschulstart.de zwar im Rahmen der Wartezeitquote (§ 14 VergabeVO) für den Studiengang Humanmedizin ausgewählt, da sie eine ausreichende Zahl an Wartehalbjahren vorzuweisen hatte. Jedoch hat sie keinen Studienplatz an der von ihr benannten WWU Münster erhalten. Die Zulassung an einer anderen Hochschule hat die Antragstellerin aus persönlichen Gründen ausdrücklich abgelehnt.

Wurde ein Bewerber (in der 1. Stufe) ausgewählt, geht es (in der 2. Stufe) um die Verteilung auf die Studienorte:

Die Ortsverteilung der in der Wartezeitquote ausgewählten Bewerber richtet sich nach § 21 VergabeVO. Dabei ist die Verteilung gemäß § 21 Abs. 1 S. 1 VergabeVO vorrangig nach den im Zulassungsantrag genannten Studienortwünschen vorzunehmen. Wie erwähnt hatte die Antragstellerin an erster und einziger Stelle die WWU Münster genannt. Da nicht alle Bewerber, die diesen Studienort an erster Stelle genannt hatten, hier einen Studienplatz erhalten konnten, musste eine Auswahl nach Sozialkriterien entsprechend der Rangfolge des § 21 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 bis 4 VergabeVO erfolgen.

Dabei hat hochschulstart.de zum Wintersemester 2017/2018 alle Bewerber mit den Sozialkriterien 1 und 2 zugelassen, zu denen die Antragstellerin nicht zählte (nicht schwerbehindert; außerdem erfüllte sie trotz des in ihrem Haushalt lebenden Kindes auch nicht die Voraussetzungen des Sozialkriteriums 2, weil Osnabrück keine dem Studienort Münster zugeordnete Stadt im Sinne von § 21 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 in Verbindung mit Anlage 4 der Vergabeverordnung ist.

Das Sozialkriterium 3 - Antrag auf bevorzugte Berücksichtigung des ersten Studienortwunsches – war klar und wurde anerkannt. Die Zahl der Bewerber mit dem Sozialkriterium 3 übertraf jedoch die Zahl der in der Wartezeitquote noch vorhandenen Studienplätze an der WWU. Daher musste eine Auswahl zwischen den Studienbewerbern mit dem Sozialkriterium 3 erfolgen, bei der gemäß § 21 Abs. 2 S. 1 VergabeVO die Abiturnote als nachrangiges Kriterium maßgeblich war. Da der letzte in der Wartezeitquote an der Universität Münster im Studiengang Humanmedizin zugelassene Bewerber mit dem Sozialkriterium 3 eine Durchschnittsnote von 2,5 aufwies, kam die Antragstellerin mit ihrer Abiturnote (3,2) nicht zum Zuge.

Tipp: Wenn Sie sich nach langem Warten bewerben, stellen Sie einen Antrag auf Berücksichtigung des ersten Studienortwunschs  und wählen Sie die Universität, der Ihr Wohnort zugeordnet ist. Andernfalls kann es sein, dass Sie noch sehr viel länger warten müssen.