Unter dem Titel : „Zulassung zum Medizinstudium - Warum der Wegfall der Wartezeitquote zu kurz greift“

Unter dem Titel : „Zulassung zum Medizinstudium - Warum der Wegfall der Wartezeitquote zu kurz greift“

hat SPIEGEL-Online am 19.06.2018 eine „Analyse“ veröffentlicht, die weitgehend eine Wiederholung früherer Artikel ist, teilweise aber auch irreführende Information enthält. Kurz: Nichts Neues bringt. Wir teilen nur die Einschätzung: „Fairer wird das System dadurch nicht“.

Hintergrund der – vom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) gestatteten – Abschaffung der Wartezeitquote ist im Ergebnis die deutlich höhere Abbrecherquote der Altwarter. Das ist das, was das BVerfG im Ergebnis als „dysfunktional“ für die Wartezeitquote bezeichnet hat: Bewerber mit geringerer Chance, das Studium zu bestehen und abzuschließen, nehmen anderen Bewerbern mit besserer Chance den Platz weg und das Ausbildungs- und Prüfungssystem wird nicht in Frage gestellt.

Nicht in Frage gestellt wird aber auch die „Entwicklungshilfequote“, d.h. die 5 %-Vorab-Quote für „reine“ Ausländer, d.h. Bewerber von außerhalb der EU ohne deutsche Hochschulzugangsberechtigung. Dies sind – weit vor den Altwartern – nach allen Aussagen von Ausbildungs- und Prüfungsverantwortlichen die problematischste Gruppe, sowohl im Studium (mehrfaches Wiederholen der einzelnen Leistungsnachweise, lange vorklinische Studiendauer), als auch – wenn sie übehaupt dazu kommen – in den Prüfungen. Hier sollten die Verantwortlichen überlegen, ob sie nicht – neben der deutschen Sprachprüfung bzw. dem sog. Studienkolleg, eine weitere Voraussetzung z.B. hinsichtlich der naturwissenschaftlichen vorklinischen Kurse – einbauen sollten oder – die vom BVerfG nicht in Frage gestellte – „Vorab-Quote“ senken sollten.

Um es noch einmal klarzustellen: Diese Quote betrifft nicht EU-Ausländer und nicht Bewerber, die – aus welchem Land auch immer – in der Bundesrepublik die Hochschulzugangsberechtigung erworben haben.

Völliger Quatsch ist die – ohne Konkretisierung – verbreitete Aussage: „Nach Auffassung der Juristen lässt sich zum Beispiel darüber streiten, ob ein Hinweis auf eine Wartezeit von x Semestern eine verbindliche Zusage ist oder einfach nur eine Prognose, die besagt, dass bei gleichen rechtlichen Rahmenbedingungen und bei einer gleichen Relation von Bewerbern zu Studienplätzen mit einer Zulassung gerechnet werden könne. So könnten Bewerber, die seit Jahren auf einen Studienplatz warten, sich auf Umwegen doch noch einen erstreiten“.

Es hat niemals verbindliche Zusagen zur Dauer der Wartezeit gegeben, vielmehr konnte jeder bei einer entsprechenden Bewerbung sehen, wie sich die Wartezeit immer weiter verlängert hat. Nicht nur wegen Senkung der Quote von 40 % über 25 % auf 20 %, sondern auch, weil immer mehr „Gelegenheitsbewerber“ den geduldig sich jedes Mal – kontinuierlich - bewerbenden Antragstellern die Plätze „weggeschnappt“ haben. Daher: Das ist kein Klagegrund.

Ob die "Talentquote" für Altbewerber mit besonderen Boni, etwa beruflichen Qualifikationen in einem medizinischen Pflegeberuf oder besonderem sozialen Engagement die Lösung bringt, bleibt abzuwarten, da hierüber noch verhandelt wird.

Ganz klar ist aber, dass keine Lösung alle abgewiesenen Bewerber zufriedenstellen kann.