Klausuren geklaut oder auf dem Postweg verschwunden – was nun ?

Klausuren geklaut oder auf dem Postweg verschwunden – was nun ?

Innerhalb kurzer Zeit haben zwei Gruppen von Studierenden „Pech gehabt“. In einem Fall haben 60 Studierende an der Hochschule Emden/Leer

zwei Stunden über der Klausur in "Bilanziellem Rechnungswesen" geschwitzt. Trotzdem müssen sie die Klausur nochmal schreiben: Ihrem Professor wurde in der Bahn der Koffer mit den Klausuren geklaut. Erst im Frühjahr waren in Bremen die Examensklausuren von 36 Jurastudenten beim Versand mit der Post verschwunden.

Was sind die Rechtsfolgen und warum müssen die Studierenden In Emden noch einmal schreiben, während sich die Examenskandidaten in Bremen

zwischen zwei Optionen entscheiden konnten: Entweder traten sie ein zweites Mal zur Klausur an - oder sie akzeptierten die Durchschnittsnote ihrer anderen Examensklausuren als Gesamtnote für ihr Staatsexamen?

Erst einmal: Verschwundene, verschlampte oder geklaute Prüfungsaufgaben sind nichts ungewöhnliches. Darüber gibt es zahlreiche Gerichtsentscheidungen und auch Äußerungen in der Literatur, u.a. von Rechtsanwalt Dr. Brehm. Die Rechtsprechung geht dahin, dass dem Prüfling durch einen Verlust einer Prüfungsleistung, die er nicht verschuldet hat, der geringstmögliche Nachteil, aber auch kein Vorteil entstehen darf. So hat sich bei den Prüfungsämtern „eingebürgert“, dass dann, wenn der Verlust nur eine von mehreren Prüfungsleistungen betrifft, er vor die Wahl gestellt wird, entweder die Arbeit nochmals zu schreiben – es liegt ja keine bewertbare Leistung vor – oder die Durchschnittsnote ihrer anderen Examensklausuren als Gesamtnote für die Klausuren ihres Staatsexamens zu akzeptieren. Der Prüfling kann aber nicht verlangen, dass seine – nicht mehr vorhandene – Prüfungsleistung anhand der Konzeptblätter nachvollzogen wird.

So hat im übrigen auch das Niedersächsische Justizprüfungsamt zahlreichen Prüflingen die Wahl gelassen, nachdem das betrügerische Verhalten des zuständigen Referenten entdeckt worden war (http://www.lto.de/recht/studium-referendariat/s/verkaufte-examensloesungen-korruption-ljpa-niedersachsen-erlaubt-klausuren-wiederholung/).    

Da im Falle der Studierenden aus Emden/Leer keine weitere Prüfungsleistung vorhanden war, blieb nichts anderes, als die Wiederholung der Klausur anzuordnen.