„Hier gibt es Studienplätze ohne Spitzenabi“

„Hier gibt es Studienplätze ohne Spitzenabi“

Unter dieser Überschrift hat spiegel-online am 04.07.2018 über eine Erhebung (Numerus-clausus-Check) des Centrums für Hochschulentwicklung berichtet:

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/numerus-clausus-hier-gibt-es-studienplaetze-ohne-spitzenabi-a-1216214.html

Danach ist knapp die Hälfte aller Studiengänge in Deutschland – 41,1 % zulassungsbeschränkt. Allerdings gibt es "große Unterschiede zwischen den Bundesländern", schreiben die Autoren des Checks.

Die wichtigsten Ergebnisse:      

·  Universitäten verhängen deutlich seltener eine Zulassungsbeschränkung für ihre Fächer als Fachhochschulen. Während an den Universitäten nur 37,4 % der Studiengänge betroffen sind, sind es an den Fachhochschulen 45,6 %; Bachelorstudiengänge (43,4 %) sind häufiger von Zulassungsbeschränkungen betroffen als Masterstudiengänge (39,0 %).

·  Insgesamt ist die NC-Quote in den vergangenen Jahren weitgehend stabil geblieben.      

Der Überblick nach Bundesländern:

In den Stadtstaaten Hamburg (allerdings Rückgang von 75,5 % auf 64,4 %) und Berlin sowie im Saarland haben es Bewerber am schwersten, einen Studienplatz zu ergattern. "Hier sind vergleichsweise hohe NC-Quoten von 60 % und höher zu finden", schreiben die Autoren.

Erheblich niedriger sind die NC-Quoten dagegen in den neuen Bundesländern ThüringenMecklenburg-VorpommernSachsen-Anhalt sowie in Rheinland-Pfalz - dort sind jeweils weniger als 30 % der Studiengänge zulassungsbeschränkt. In Thüringen sank die Quote und liegt mit 20,3 % jetzt auf dem bundesweit niedrigsten Wert.

Der Überblick nach Studienfächern:

Besonders schwer haben es Bewerber in den Rechts-, Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftswissenschaften. Bundesweit sind 55 % dieser Bachelorstudiengänge zulassungsbeschränkt. An der Spitze stehen Berlin mit 61,5 % und Bremen mit 61,3 %; am geringsten ist die NC-Quote in Thüringen mit 19,4 % und vor allem Mecklenburg-Vorpommern mit 16,8 %. Beim Master stehen Hamburg mit fast 70 % und Berlin mit 66 % an der Spitze der NC-Statistik; am Schluss erneut Mecklenburg-Vorpommern mit 9,4 %.

Der Überblick nach Städten:

Dass Nachfrage und Angebot nicht immer in der Balance sind, zeigt sich auch beim Blick auf die von den Studentenzahlen her größten Hochschulstädte. Während etwa in Köln rund zwei Drittel der Studiengänge mit einem NC belegt sind, ist es in Gießen nur rund ein Fünftel. Wer also bereit ist, in weniger beliebte Städte zu ziehen, hat bessere Chancen auf einen Studienplatz.

Folgerungen:

Aus den aktuellen Daten leiten die CHE-Forscher konkrete Bewerbungstipps für Abiturienten ohne Spitzenabitur ab:

Sie empfehlen, sich nicht von einem eventuellen NC abschrecken zu lassen, sondern trotzdem eine Bewerbung abzuschicken: "Die Tatsache, dass es eine Zulassungsbeschränkung gibt, und die Auswahlgrenzen aus den letzten Jahren bieten letztlich nur eine grobe Orientierung", schreiben die Autoren, "schreckt der NC für einen bestimmten Studiengang viele von einer Bewerbung ab, kann es passieren, dass letztlich doch alle Bewerber zugelassen werden." Dies gilt natürlich nicht für die medizinischen Fächer und die Psychologie.

Unser Hinweis:

Eine Reihe von Gerichten geht für Bachelor- und Masterverfahren davon aus, dass kein „Anordnungsgrund“, also kein Grund dafür besteht, ein Gericht an einem Studienort mit NC in Anspruch zu nehmen, wenn der „gleiche“ Studiengang an einem anderen Ort zulassungsfrei angeboten wird. Es ist dann stets Sache des Bewerbers, konkret darzulegen, dass es sich nicht um den gleichen Studiengang handelt. Grundsätzlich ist – trotz möglicherweise gleichen Namens – der Studiengang an einer Universität etwas grundsätzlich anderes als an einer Fachhochschule/Hochschule für Angewandte Wissenschaften, so z.B. für Betriebswirtschaftslehre.