Der Antrag auf Höherstufung – in der Vorklinik und in der Klinik

Der Antrag auf Höherstufung – in der Vorklinik und in der Klinik

Unterstellt, 1.) Sie haben z.B. einen Teilstudienplatz oder durch gerichtliche Entscheidung einen vorläufigen Studienplatz erhalten oder das vorklinische Studium im Ausland abgeschlossen und 2.) Sie erwarten z.B. eine Zulassung nach Wartezeitoder aufgrund eines besonders guten Tests (z.B. TMS) für das 1. Fachsemester:

Was können Sie tun, damit Sie nicht im 1. Fachsemester „sitzen bleiben“, das Sie ja längst absolviert haben oder dessen Scheine Ihnen ja bereits anerkannt worden sind? 

Ein Antrag auf Höherstufung ist – rechtlich gesehen – ein Antrag auf Zulassung in ein höheres Fachsemester für den Fall, dass man an der konkreten Universität einen Studienplatz (nur) im 1. Fachsemester erhält.

Dies ist kein Einzelfall und gerade an der besonders beliebten LMU in München ist es Bewerbern wiederholt passiert, dass sie nicht höhergestuft worden sind und (erneut) vier Semester des vorklinischen Studienabschnitts „absitzen“ mussten.

Lässt sich so etwas verhindern? Und wie?

Zunächst einige Grundlagen:

Nach Auffassung der Universitäten aufgrund der jeweiligen Vergabeverordnungen, aber auch der bisher mit diesem Thema befassten Gerichte, setzt ein Anspruch auf Höherstufung grundsätzlich vorhandene Kapazitäten im beantragten Fachsemester voraus. Wenn Sie also mit anerkanntem Physikum einen Studienplatz im 1. vorklinischen Fachsemester bekommen, muss grundsätzlich ein Studienplatz im 1. klinischen Fachsemester vorhanden (frei) sein, damit überhaupt eine Chance der „Höherstufung“ besteht.

Weiter aber bedarf es eines konkreten und fristgerechten Antrags. Für diesen sehen die Hochschulvergabeverordnungen der einzelnen Bundesländer Fristen vor, die für ein Wintersemester grundsätzlich der 15.07. und für ein Sommersemester der 15.01. eines jeden Jahres sind. In NRW laufen die Fristen bis zum 15.09. bzw. bis zum 15.03.

Wer den Antrag bis zu diesem Datum nicht gestellt hat, hat den Anspruch auf Höherstufung für das bevorstehende Semester verloren und kann ihn erst wieder zum Folgesemester stellen.

Vorrang der Höherzustufenden bei der Vergabe freier Plätze in höheren Fachsemestern?

Die Frage der Rangfolge bei der Vergabe – einen rechtzeitigen Antrag vorausgesetzt – regeln die einzelnen Ländervergabeverordnungen durchaus recht unterschiedlich, allerdings nicht bei den Höherzustufenden: Diese stehen immer an erster Stelle!  

Als Beispiel nehmen wir § 26 VergabeVO-NRW:

§ 26 - Vergabe der Studienplätze in höheren Fachsemestern (Auszug)

„(1) Die verfügbaren Studienplätze werden in folgender Rangfolge vergeben:

1. An Bewerberinnen und Bewerber, die in dem gewählten Studiengang vor dem Beginn von Nachrückverfahren für das erste Fachsemester zugelassen oder in einem niedrigeren Fachsemester eingeschrieben sind und innerhalb einer von der Hochschule zu bestimmenden Frist nachweisen, dass ihnen Studienleistungen oder Studienzeiten in ausreichendem Umfang angerechnet worden sind; …“

Dies sind die „Höherzustufenden.“

„2. An Bewerberinnen und Bewerber, die in einer Einstufungsprüfung an der Hochschule die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten nachgewiesen haben.“

„3. An Bewerberinnen und Bewerber, die im Zeitpunkt der Antragstellung an einer Hochschule für den gewählten Studiengang endgültig eingeschrieben sind oder vor diesem Zeitpunkt endgültig eingeschrieben waren.“

Das sind die Ortswechsler, zu denen auch die Bewerber mit einem Auslandsstudium des konkreten Studiengangs zählen.

„4. An sonstige Bewerberinnen und Bewerber, die innerhalb einer von der Hochschule zu bestimmenden Frist nachweisen, dass ihnen Leistungen in ausreichendem Umfang angerechnet worden sind.“

Das sind die Quereinsteiger.

Sollten mehr Bewerber als Plätze vorhanden sein, regelt § 26 Abs. 2 die Auswahl innerhalb der oben dargestellten konkreten Ranggruppen, wobei zwischen den Höherzustufenden das Los entscheidet: 

„(2) Sofern eine Auswahl innerhalb der Ranggruppen nach Absatz 1 erforderlich wird, bestimmt sich die Rangfolge in den Fällen der Nummern 1 und 2 nach dem Los…. „

Zusammenfassend:

Kommt für Sie möglicherweise eine Höherstufung in Betracht, halten wir angesichts der Besonderheiten dieses Verfahrens einerseits und angesichts der Unterschiede in den einzelnen Bundesländern eine anwaltliche Beratung für dringend erforderlich.