Das Multiple-Mini-Interview als Kriterium des Auswahlverfahrens

Das Multiple-Mini-Interview als Kriterium des Auswahlverfahrens

Wir haben an dieser Stelle bereits mehrfach über Aspekte der Neureglung des Hochschulzugangs – vorrangig für die medizinischen Fächer – aufgrund des 3. Nc-Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 19.12.2017 berichtet und auch über die Eckpunkte, die die Kultusministerkonferenz (KMK) im Juni 2018 beschlossen hat:  

www.kmk.org/presse/pressearchiv/mitteilung/richtungsentscheidung-der-kultusministerkonferenz-zur-vergabe-von-studienplaetzen-im-fach-humanmedizi.html

Danach sollen im Rahmen des Auswahlverfahrens der Hochschulen (AdH) zwei weitere Auswahlkriterien hinzukommen, wobei derzeit die Gewichtung dieser drei Faktoren (Abiturnoten + zwei weitere Auswahlkriterien) noch nicht feststeht.

Bei vielen Fakultäten hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass nicht nur die Abiturnoten und Studienleistungen wichtig sind. Ein guter Arzt soll auch Einfühlungsvermögen haben, mit Stress umgehen können und ein Gespür für den Patienten und seine Probleme vorweisen können. Immer mehr Hochschulen richten ihre Auswahlverfahren auf eben diese sozialen Fähigkeiten und wichtige Persönlichkeitsmerkmale aus. Nicht nur der erwartete Studienerfolg soll über die Zulassung entscheiden, sondern ebenso die Aussicht, dass aus dem Bewerber ein guter Arzt wird.

Ein sehr gut funktionierendes Instrument, die Eignung für den Arztberuf festzustellen, sind neben den klassischen Auswahlgesprächen die aktuell in Mode kommenden „Multiple Mini Interviews“ (MMI). Immer mehr Hochschulen greifen diesen Trend der aus Kanada stammenden Auswahlverfahren auf. Der Grund liegt auf der Hand. Mit dem MMI kann sehr gut prognostiziert werden, ob der Bewerber die persönliche Eignung für den Arztberuf mitbringt. Inhalte der MMI sind - neben den klassischen Elementen der Auswahlgespräche - kleine Rollenspiele und gestellte Szenarien, in denen die Bewerber beobachtet und bewertet werden.

Die folgenden Standorte führen – derzeit - persönliche Auswahlverfahren (Auswahlgespräche oder Multiple Mini Interviews) durch:

Humanmedizin

Dresden, Duisburg-Essen, Göttingen, Hamburg, Hannover, Lübeck, Münster, Neuruppin (privat), Nürnberg (PMU, privat), Oldenburg, Salzburg (PMU, privat), Kassel (privat), Krems (KL, privat), Wien (SFU, privat), Witten/Herdecke (privat)

Zahnmedizin

Göttingen, Hannover, Krems (Danube, privat), Münster, Rostock, Wien (SFU, privat) , Witten/Herdecke (privat)

Es werden sicher weitere hinzukommen.

Wesentliche Elemente der Auswahlgespräche sind:

·         Ziele

·         Motivation

·         Werdegang

Im Gespräch selbst werden weitere Elemente wie beispielsweise Belastbarkeit, Gründlichkeit, Konfliktverhalten, Beobachtungsvermögen und differenziertes Argumentieren abgeprüft.

Zur Vorbereitung sollte der Bewerber ein gutes Motivationsschreiben zu erarbeiten (Stichpunkte: Wieso haben ich mich speziell für Humanmedizin entschieden? Seit wann weiß ich, dass ich Medizin studieren möchte? Gab es ein Schlüsselereignis, das mich zu meiner beruflichen Entscheidung geführt hat? Wieso habe ich mich gerade für diese Hochschule entschieden? Ist mir bekannt, wie das Studium an dieser Hochschule abläuft – z.B. Modellstudiengang und seine Eigenheiten?) und dazu passend einen qualifizierten Lebenslauf zu erstellen. Hilfreich ist es für den Bewerber, wenn er sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und halbwegs redegewandt ist. 

In den MMI werden die klassischen Auswahlgespräche durch Rollenspiele erweitert. Wesentlich sind die Verhaltensweisen, welche in bestimmten Situationen gezeigt werden.

·         Einfühlungsvermögen/Empathie

·         Konfliktlösungen

·         Argumentationsfähigkeit

·         Beobachtungsgabe

·         Gründlichkeit

·         Belastbarkeit/Stressresistenz

·         Entscheidungsfähigkeit

Diese Interviews heben sich von einem herkömmlichen Auswahlgespräch ab, da neben den normalen Fragen noch Rollenspiele oder andere kleine Aufgaben hinzukommen. Hierbei wird nicht nur erfragt und getestet, welchen Eindruck der Bewerber generell macht, sondern wie er in verschiedenen Situationen reagiert.

In Form eines Rollenspiels könnten diese Eigenschaften getestet werden, in dem dem Bewerber zum Beispiel ein Schauspielpartner zur Seite gestellt wird. Ihm wird anschließend eine Situation geschildert, in die er dann gleich für einige Minuten mit seinem Gegenüber einsteigen soll, z.B. eine Situation, die den Bewerber in eine Zwickmühle bringt oder ethische und kontrovers diskutierte Fragen aufwirft. Ebenso kann es sein, dass der Bewerber die Rolle eines Studenten oder sogar eines Arztes einnehmen muss.

Eine Vorbereitung der MMI ist nur bedingt möglich. Sehr hilfreich sind hier Berufserfahrungen im medizinischen Bereich, wie etwa in der Krankenpflege oder im Rettungsdienst. Bewerber, die bereits im medizinischen Bereich gearbeitet haben, sind klar im Vorteil. Außerdem sollten die Bewerber sich vor dem MMI genau überlegen, ob sie als Typ dafür geeignet sind. Wer die Persönlichkeit mitbringt, kann sich jedoch durch etwas Training sehr gut auf die MMI einstellen. Auch Bewerber, die grundsätzlich eine passende Persönlichkeit haben, aber noch nicht besonders viele berufliche Erfahrungen sammeln konnten, können dies durch etwas Übung kompensieren.

Einen guten Überblick zum Thema MMI gibt es online unter

www.multipleminiinterview.com/mmi-questions

Tipps (auf English) gibt es auch auf youtube, z.B.

https://www.youtube.com/watch?v=g9rGOyqpI_8