Abschluss des Bachelorstudiums „Angewandte Psychologie“ an der – privaten – „Hochschule Fresenius“ berechtigt zur Bewerbung auf einen Masterstudienplatz

Abschluss des Bachelorstudiums „Angewandte Psychologie“ an der – privaten – „Hochschule Fresenius“ berechtigt zur Bewerbung auf einen Masterstudienplatz

Dieses Rechtsproblem hat das Oberverwaltungsgericht Münster in einer aktuellen Entscheidung zugunsten der Bewerberin gelöst, nachdem das Verwaltungsgericht (VG) Düsseldorf zunächst den Antrag zurückgewiesen hatte. Jetzt muss das VG erneut entscheiden:

Das VG hatte den Antrag mit der Begründung abgelehnt, ihrer Zulassung zum Masterstudium der Psychologie stehe rechtlich zwingend entgegen, dass sie die für eine Studienzulassung erforderlichen Zugangsvoraussetzungen nicht erfülle. Die Antragstellerin habe zwar ausweislich des von ihr vorgelegten Zeugnisses ihr Bachelorstudium an der Hochschule Fresenius am 28.02.2017 mit der Gesamtnote 2,0 und 180 Leistungspunkten erfolgreich abgeschlossen sowie den Erwerb von mindestens 6 Leistungspunkten im Fach Klinische Psychologie und ein experimentalpsychologisches Praktikum nachgewiesen, sodass sie die in der Prüfungsordnung der Universität Düsseldorf benannten und für den Zugang zum Masterstudium erforderlichen Voraussetzungen erfülle. 

Mit ihrem an der Hochschule Fresenius erworbenen Bachelor im Studiengang "Angewandte Psychologie (Bachelor of Science)" verfüge sie aber entgegen der in § 1 Abs. 3 Nr. 1 PO normierten Voraussetzung für den Zugang zum Masterstudium nicht über einen Abschluss im "Studiengang Psychologie", weil zwischen dem von der Antragstellerin absolvierten Studiengang "Angewandte Psychologie (Bachelor of Science)" und dem an der Universität Düsseldorf mit dem Abschluss Bachelor angebotenen "Studiengang Psychologie" nach den Feststellungen des Prüfungsausschusses wesentliche Unterschiede bestünden, die die Annahme einer Gleichwertigkeit ausschlössen.

Die Beschwerde der Bewerberin mit der Begründung, vom Vorliegen der Zugangsvoraussetzungen zum Masterstudium sei auszugehen; weder der Prüfungsordnung noch der Auswahlverfahrenssatzung sei zu entnehmen, dass für den Zugang ein Bachelorstudium der Psychologie gefordert sei, dessen Inhalt und Umfang gleich oder gleichartig mit dem Inhalt und Umfang des Bachelorstudiums der Psychologie an der Antragsgegnerin sei. Zugangskriterien für das Masterstudium müssten klar und eindeutig rechtssatzmäßig bestimmt seien. Die Bestimmung dürfe nicht einem Prüfungsausschuss überlassen werden, hatte Erfolg:

1. Für den Zugang zum Masterstudium in NRW gilt grundsätzlich Folgendes:

Nach § 49 Abs. 6 Satz 1 HG NRW hat Zugang zu einem Studiengang, der mit einem Mastergrad abgeschlossen wird, wer einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss nachweist, auf dem der Masterstudiengang aufbaut. Dies setzt nicht das Vorliegen eines mit dem entsprechenden Masterstudium eng verwandten Studiengangs voraus. Eine auf die Hochschulart bezogene Differenzierung zwischen Universitäten und Fachhochschulen findet hinsichtlich des Zugangs nicht statt.

Damit berechtigt grundsätzlich bereits der erfolgreiche Abschluss (irgend-)eines Hochschulstudiums zur Aufnahme eines darauf aufbauenden Masterstudiums.

Allerdings können die Hochschulen nach § 49 Abs. 6 Satz 3 HG NRW und § 49 Abs. 7 HG NRW in ihren Prüfungsordnungen weitere Zugangsvoraussetzungen vorsehen. Gemäß § 49 Abs. 6 Satz 3 HG NRW darf die Prüfungsordnung etwa bestimmen, dass ein qualifizierter Abschluss nachzuweisen ist. Auf dieser Grundlage, darf die Hochschule grundsätzlich

-       etwa die Einschlägigkeit eines wissenschaftlichen Studiums für das gewünschte nachfolgende Masterstudium fordern,

-       den Zugang zum Masterstudium vom Erreichen einer Mindestdurchschnittsnote abhängig machen,

-       oder das Vorhandensein eines qualifizierten Abschlusses anhand tabellarischer Prozentranglisten oder ähnlicher Vergleichsbewertungen des Europäischen Hochschulraums prüfen. 

-       Anerkannt ist weiter, dass ein entsprechendes Anforderungsprofil in Gestalt von einer Mindestzahl von Leistungspunkten (aus bestimmten Gebieten) gefordert werden darf.

Für sämtliche Zugangsvoraussetzungen gilt jedoch mit Blick auf Art. 12 Abs. 1 GG, dass sie im Einzelfall nur zulässig sind, wenn sie aus den Studieninhalten heraus inhaltlich gerechtfertigt und zudem verhältnismäßig sind. 

2. Damit erfüllte die Antragstellerin die Voraussetzungen für den Zugang zum Masterstudium:

Sie verfügte mit dem Bachelorabschluss einer staatlich anerkannten deutschen Hochschule über einen berufsqualifizierenden Abschluss in dem akkreditierten Studiengang "Angewandte Psychologie“ (Bachelor of Science).

Weiter erfüllte sie auch die in § 1 Abs. 3 der Prüfungsordnung für den Masterstudiengang Psychologie (PO) an der Universität Düsseldorf benannten weiteren Zugangsvoraussetzungen. Danach erfüllt die Voraussetzungen für den Zugang zum Masterstudiengang Psychologie, wer

2.1. entweder an einer deutschen Hochschule oder an einer Hochschule, die einem der Bologna-Signatarstaaten angehört, einen Bachelor of Science oder diesem mindestens gleichwertigen Abschluss im Studiengang Psychologie mit einer Regelstudienzeit von mindestens 6 Semestern und 180 ECTS - Punkten (Leistungspunkte, LP) mit der Note 2,5 oder besser abgeschlossen hat, oder an einer anderen ausländischen Hochschule einen gleichwertigen Abschluss im Studiengang Psychologie erworben hat; die Gleichwertigkeit wird nach Maßgabe der Bewertungsvorschläge der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen beim Sekretariat der Kultusministerkonferenz (www.anabin.de) festgestellt; Noten werden mit zwei Stellen hinter dem Komma und ohne Rundung bestimmt, und

2.2. den Erwerb von mindestens sechs LP im Fach „Klinische Psychologie“ nachweist sowie

2.3. ein Experimentalpsychologisches Praktikum abgeleistet hat.

Die Erfüllung weiterer Zugangsvoraussetzungen erfordert § 1 Abs. 3 PO nicht. Er setzt insbesondere nicht voraus, dass der erworbene Abschluss mit demjenigen der Antragsgegnerin „äquivalent“ ist, wie es im Widerspruchsbescheid der Antragsgegnerin vom 26.10.2017 heißt. Erforderlich und ausreichend ist nach der Prüfungsordnung allein, dass – unabhängig von der Schwerpunktsetzung – ein Psychologiestudium an einer deutschen Hochschule absolviert wurde. Dies trifft auf die Antragstellerin zu. ass der Prüfungsausschuss der Antragsgegnerin nach § 1 Abs. 4 Satz 1 PO auf Grund der vorgelegten Unterlagen über den Zugang zum Masterstudium entscheidet, führt nicht dazu, dass er berechtigt wäre, eigenmächtig weitere Zugangsvoraussetzungen einzuführen. Inwieweit die Forderung nach einem vollständig „gleichwertigen“ Bachelorstudium gemessen an Art. 12 Abs. 1 GG überhaupt zulässig wäre, konnte das OVG Münster dahinstehen lassen.